Oh là là, 2013!

BTR_nach dem GigAm Ende war es dann doch eher das Jahr der Ratten als das der Katzen. Reunion der Boomtown Rats, Festivals und Konzerte der Rats und der Soloband, eine Rats-Tour im Herbst – es ist viel passiert. 2013 im Jahresrückblick.

Im Januar ließen Band und Plattenfirma verlauten, dass sich die Boomtown Rats in annähernder Originalbesetzung wieder zusammentun. Das war nach all den Jahren wirklich eine kleine Sensation. Wer die Geschichte der Band verfolgt hat, kann einschätzen, wie unwahrscheinlich eine Reunion noch vor einigen Jahren schien.

Nach zwei kleinen Probegigs stand die Band im Juni auf dem legendären Isle of Wight-Festival erstmals wieder auf einer großen Bühne. Die Kritiken waren, ebenso wie nach dem Konzert in Cork und einem Festival in Südengland, durch die Bank positiv. Und auch die Herbst-Tour gilt als erfolgreich, die Hallen waren teils ausverkauft oder zumindest gut besucht, die Reaktionen reichten von anerkennend bis enthusiastisch. Die ersten Festivaltermine 2014 standen schon im November.

Die Bobkatz spielten in diesem Jahr wie üblich im März in Dubai – ein Konzert, das mir aus ganz persönlichen Gründen für immer in Erinnerung bleiben wird. Im Juni folgte eine Tour quer durch Deutschland mit zwei Hallengigs und fünf Festivals, davon vier im Programm mit den Toten Hosen. Außerdem gab es ein Festival in den Niederlanden und einen Auftritt in Singapur.

Soweit die Daten – und für mich? Natürlich haben die Rats ein paar neue Aspekte und Erkenntnisse in mein kleines Tour-Hobby gebracht… Ein paar Beobachtungen:

Unterm Strich die bessere Band – musikalisch-handwerklich – ist für mich die Soloband. Vielleicht ändert sich das irgendwann, aber derzeit sind die Bobkatz als Summe ihrer Einzelteile für mich virtuoser, differenzierter, haben ein breiteres Spektrum und stärkere Wirkungskraft für ein größeres Publikum. Das bedingt natürlich auch das Solomaterial, das weniger rockig, stilistisch nicht so festgelegt und gewissermaßen diverser ist als die Boomtown Rats-Hits. Wo mich die Soloband mit den leisen Tönen, den improvisierten Soli, den spannungsgeladenen Parts begeistert, machen die Rats so richtig Druck und Tempo. Es stimmt, wenn Bob gebetsmühlenartig wiederholt, dass die Songs nichts von ihrer Aktualität verloren haben – und sie funktionieren auch musikalisch noch hervorragend. Mit Krach, Tempo und verdammt viel Spaß! Das kommende Jahr wird zeigen, was regelmäßiges Spielen bewirken wird und was da noch alles geht.

Soloband-Publikum ist ungleich Rats-Publikum. Der durchschnittliche Boomtown Rats-Fan ist männlich, Mitte 50, bierbäuchig und hat eine Glatze (ich bin fies, wa?). Ein geschätztes Zehntel dieser Bilderbuchfans geht beim Gig nach vorne und lässt es spätestens bei „Do you in“ mal wieder so richtig krachen. Nach ein paar Stücken im Moshpit haben sie Rücken oder Schulter und müssen schnell zur Sicherheit noch ein Bier trinken… Neun Zehntel hat bei „Looking after Number One“ oder schon vorher Tränen der Rührung in den Augen und ist absolut textsicher. Annähernd zehn Zehntel der Boomtown Rats-Fans würden niemals ein Konzert der Soloband besuchen. Aus Prinzip. Und mir zum ersten Punkt (siehe oben) vehement widersprechen. Rühmliche Ausnahmen bestätigen die Regel!

Neu für mich ist übrigens, dass es organisierte Fans gibt. Jules und Irene auf Facebook und Twitter ist es zu verdanken, dass es auf der Herbst-Tour vor jedem Gig ein gut organisiertes Fantreffen in einem Pub gab. Das war lustig, interessant und manchmal ein bisschen befremdlich. So viele Gleichgesinnte bin ich doch sonst nicht gewohnt! ; )

Die Boomtown Rats sind dufte Typen. Auch wenn ich die Bobkatz für immer in mein Herz geschlossen habe – die neuen alten Rats sind wirklich schwer in Ordnung! Sowohl Simon als auch Gary und die Juniorratte Darren scheinen sehr nett zu sein. Bob und Pete sind ja ohnehin Ratten und Katzen in Personalunion. Es ist interessant zu sehen, was für eine ganz andere Art der Interaktion und Dynamik sich auf der Bühne vollzieht – obgleich ein Teil des Sets bei beiden Bands identisch ist.

Es gibt vier neue Songs. Zwei davon sind auf der „Back to Boomtown“ Classic Rats Hits-Sammlung erschienen, die anderen beiden „Ratlife“ und „Ratified“ ausschließlich auf der nur über amazon.co.uk erhältlichen MP3-EP „Ratlife“. Meines Wissens ist die EP wirklich nur in UK erhältlich – sehr sehr schade. Der Download ist nicht möglich, wenn man nicht mit einer englischen Adresse und einer englischen Kreditkarte bestellt. Leider – und ich lasse mich da gern eines besseren belehren… Sehr klug hingegen finde ich, das neue Stück, das auch live auf jedem Konzert gespielt wurde, schlicht „Boomtown Rats“ zu nennen. So lautet auch der Text des Refrains, damit sich auch jeder im Publikum merken kann, welche Band gerade spielt. Das Stück wird erstaunlich schnell zum Ohrwurm und wird immer besser, je öfter man es hört. Die eine Stelle ist live so richtig fett, wer das Stück kennt, weiß genau welche! Das andere Stück auf der Hits-Sammlung enthält alles, was ein Rats-Song braucht und klingt ein bisschen synthetisch.
Die neuen Stücke sind von den älteren, sagen wir mal, dogmatischeren Fans eher kritisch aufgenommen worden, soweit ich das beurteilen kan. Das jüngere Publikum auf dem einzigen Deutschland-Gig fand „Boomtown Rats“ in der Zugabe hingegen super. Ich würde mich sehr freuen, wenn es noch mehr neue Sachen gäbe – und stelle hiermit den Antrag auf europaweite Veröffentlichung.

Die Boomtown Rats funktionieren möglicherweise nur in UK. Bisher nur eine These, aber vielleicht leider wahr: Das in Deutschland komplett ausgebliebene Medienecho auf die Reunion und nur ein einziges Konzert der Rats in Deutschland, in Hoyerswerda mit den Toten Hosen, deuten darauf hin, dass das größte Interesse an den Rats im Vereinigten Königreich und natürlich in Irland besteht. Das junge, ostdeutsche (Hosen-)Publikum wusste mit den alten Hits jedenfalls herzlich wenig anzufangen. Mich würde ja brennend interessieren, wie das in ehemals westdeutschen Städten aussähe. Wie wär’s, Boomtown Rats, eine kleine, feine Tour durch Deutschland? Hamburg, Köln, Berlin, München? Ach c’mon.

Ich fahre auch wieder auf die Insel. Ich war dieses Jahr für mehrere Konzerte in England, Irland und Schottland – und wenn es sein soll, werde ich da auch wieder hinfahren. Ich habe schöne Erlebnisse gehabt auf meinen Reisen und viele tolle Menschen (wieder-) getroffen. Auch in dieser Hinsicht war 2013 ein ganz besonderes Jahr!

Das wurde gespielt. (I Never Loved) Eva Brown • Like Clockwork • Neon Heart • Do You In • Someone’s Looking At You • She’s So Modern • I Don’t Like Mondays • Mary Of The Fourth Form • Looking After No. 1 • Rat Trap • The Boomtown Rats. In der Zugabe wurde zudem manchmal Never Bite The Hand That Feeds gespielt, in einigen Städten stattdessen auch Having My Picture Taken. In Bristol gab es außerdem ein Cover von Velvet Undergrounds White Light White Heat.

Die Statistik. 14 besuchte Konzerte – das Jahr 2013 war ein hervorragendes Katzen- und Rattenjahr. Falls das irgendwer merkwürdig findet: Andere Leute sammeln Briefmarken oder fotografieren Züge. Roll on, 2014!

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